HIV / AIDS


Wichtig zu wissen

• Die Verbreitung von HIV (Human Immunodeficiency Virus) hat sich seit den 1980er Jahre zu einer Pandemie entwickelt, die gemäss Schätzungen der UNO bisher mindestens 39 Millionen Menschenleben gekostet hat

• Eine unbehandelte HIV-Infektion führt nach einer unterschiedlich langen, meist mehrjährigen symptomfreien Latenzphase in der Regel zu AIDS (englisch Acquired Immune Deficiency Syndrome)

• HIV/AIDS sind meldepflichtige Infektionskrankheiten der Risikogruppe 3: Laborbestätigte Fälle müssen innert 7 Tagen anonymisiert gemeldet werden

• Klinische Meldung durch Ärztin/Arzt/Spital an den Kantonsärztlichen Dienst

• Labormeldung durch Labor an den Kantonsärztlichen Dienst und an das BAG

  • Mutterschutz und Jugendarbeitsschutz
Risikoeinstufung
BAFU/BAG
•Risikogruppe 3
Schwangere und stillende
Mütter
•Dürfen Kundinnen und Kunden mit Hepatitis B NICHT PFLEGEN / BETREUEN
Jugendliche (15 – 18
Jahre)
• Dürfen Kundinnen und Kunden mit HIV / AIDS unter Einhaltung der nachfolgenden Schutzmassnahmen pflegen und betreuen, wenn
• ihr Ausbildungsstand es zulässt (Information und Instruktion bzgl. den Schutzmassnahmen)
• die Begleitmassnahmen zur Prävention gemäss offiziellem Bildungsplan der entsprechenden Ausbildung (z.B. FaGe) eingehalten werden
  • Epidemiologie/Krankheitsbil
Erreger• Humanes Immundefizienz-Virus (HIV, engl. Human Immunodeficiency Virus)
Infektionsquellen•Mensch
Infektiöses Material Blut, Sperma, Vaginalsekret, Muttermilch, Liquor cerebrospinalis (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit)
Ubertragung• Eine Infektion ist nur möglich, wenn infektiöse Körperflüssigkeiten mit verletzter Haut und/oder Schleim- haut in Kontakt kommen Kontakt
• Parenteral (z.B. Nadelstiche durch die Haut, Bluttransfusionen, Drogeninjektionen mit gebrauchten Nadeln etc.
• Sexuell (ungeschützter Geschlechtsverkehr) Von Mutter auf Kind
• Über die Plazenta der Schwangeren auf das ungeborene Kind
• Beim Stillen über die Muttermilch
KEIN INFEKTIONSRISIKO•Kein Infektionsrisiko besteht bei
• Alltagskontakten (Hände schütteln, Umarmungen, Streicheln, etc.)
• gemeinsamer Benutzung von Geschirr, Besteck, Wäsche und sanitären Einrichtungen (WCs, Duschen etc.)
• gemeinsames Essen (z.B. Fondue) Kontakt mit Speichel, Tränenflüssigkeit, Urin, Stuhl Kontamination von intakter Haut mit virushaltiger (Körper-)Flüssigkeit
• Aufenthalt in Schwimmbädern, Saunen etc.
• Behandlungen wie Massagen, Maniküre, Pediküre etc. sowie über
• Insektenstiche Nahrungsmittel und Trinkwasser
• Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen)
Inkubationszeit•HIV: Sechs Tage bis sechs Wochen, meist aber nach zwei bis drei Wochen nach der Infektion tritt ein unspezifi- sches akutes Krankheitsbild eines viralen Infektes auf, das oft als grippaler Infekt verkannt wird
• AIDS: 9 – 10 Jahre nach unbehandelter HIV-Infektion (Medianwert)
Nachweis / Diagnostik•Labordiagnostik mittels PCR oder serologischen Testverfahren
Prävention• Verhütung von Neuinfektionen durch
• Befolgung der Safer-Sex-Regeln (www.lovelife.ch).
• Verzicht auf gemeinsamen Gebrauch von Spritzen und Injektionsnadeln
• Übertragungsrisiko bei Schwangerschaft/Geburt massiv senken (unter 1%)
• Antiretrovirale Medikamente (Mutter vor und Kind nach der Geburt)
• Kaiserschnitt
• Verzicht auf das Stillen des Kindes Postexpositionsprophylaxe (PEP)
• Vorbeugende Notfallbehandlung mit antiretroviralen Medikamenten (4 Wochen)
• Nach einer Risikosituation unbedingt SOFORT die Notfallstation des nächstgelegenen Spitals aufsuchen, damit die Behandlung ohne Verzögerung begonnen werden kann Bereits nach 6 – 8 Stunden sinken die Erfolgschancen; nach 48 Std. ist es nicht mehr sinnvoll, eine PEP zu beginnen
Behandlung / Therapie• Eine HIV-Infektion ist behandel- aber nicht heilbar, da die Viren nicht eliminiert werden können 口 Gegen HIV gerichtete Therapie:
• Lebenslang notwendige Durchführung einer Hochaktiven Antiretroviralen Therapie (HAART)
• Verhindert die Vermehrung der HI-Viren
• Dient der Verhinderung der Entstehung eine klinisch relevanten Immundefektes (AIDS)
• Vermindert die Infektiosität
• Behandlung der HIV-bedingten Begleiterkrankungen
Symptome• Akute HIV-Infektion
• Fieber, Nachtschweiss, Abgeschlagenheit, Hautausschläge, Lymphknotenschwellungen, orale Ulzerationen, Arthralgie (Gelenkschmerzen) – wird oft mit einem grippalen Infekt verwechselt
• Latenzphase Meist symptomfrei, veränderte Blutwerte und schleichende Lopdystrophie, evt. gastrointestinale Beschwerden Schwerer Immundefekt AIDS) • Lebensbedrohliche opportunistische Infektionen (Pneumonien, Psoriasis, Candidose, Tuberkulose etc.) und Tumoren (Lymphome, Karzinome, etc.), Wasting Syndrom
Ansteckungsfähigkeit /
Infektiosität
Jede infizierte Person ist potenziell lebenslang ansteckungsfähig
• Die Ansteckungsfähigkeit korreliert mit der Höhe der Viruslast im Blut und anderen Körpersekreten –
•Die Ansteckungsfähigkeit ist in den ersten Wochen nach der Infektion besonders hoch, bevor sich körperei- gene Abwehrstoffe und spezifische Abwehrzellen gebildet haben
• Danach sinkt die Infektiosität und nimmt bei fortgeschrittenem Immundefekt und dem Auftreten klini- scher Symptome wieder zu
•Durch eine erfolgreiche antiretrovirale Therapie (ART) kann die Viruslast unter die Nachweisgrenze reduziert und die Ansteckungsfähigkeit praktisch aufgehoben werden
Krankheitsverlauf• Unbehandelt verläuft eine HIV-Infektion in verschiedenen Phasen, siehe Symptome
Risikogruppen Menschen, die sich besonderen Risiken (vor allem ungeschützter Geschlechtsverkehr mit wechselnden Part- nern, Drogenabhängige, Prostituierte) aussetzen

Schutzmassnahmen

Händedesinfektion• Gemäss Standardmassnahmen Hygiene:
• Vor direktem Patientenkontakt – Nach direktem Patientenkontakt
• Vor aseptischen Tätigkeiten
• Vor und nach pflegerischen Verrichtungen –
•Nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material
• Nach Kontakt mit Oberflächen und medizinischen Geräten in unmittelbarer Patientenumgebung • Zusätzlich:
• Nach dem Ausziehen der Schutzausrüstung (Einweg-Handschuhe etc.)
• Vor und nach dem An-sowie Ausziehen der chirurgischen Maske
•Dauer: 30 Sekunden
Mund- und Nasenschutz (chirurgische Masken Typ Il oder Typ II R)• Nein, nicht generell – Ja, wenn die Spitex-Mitarbeitende an einer Atemwegsinfektion leidet, zum Schutz der/ des HIV-infizierten Kundin/Kunden
• Ja, bei möglichen Spritzern von Blut oder anderen Körperflüssigkeiten ins Gesicht (Standardmassnahmen Hygiene)
• Chirurgische Maske nach Gebrauch vor dem Verlassen der Wohnung im Kehricht entsorgen
Einweg-Handschuhe• Nein, nicht generell
• Ja, Hygiene) wechseln
• bei (potenziellem) Kontakt mit Blut sowie anderen Körperflüssigkeiten (gemäss Standardmassnahmen
• bei chemischen Substanzen, die die Haut schädigen können
• wenn die pflegerische Handlung es verlangt; Einweg-Handschuhe nach jeder (pflegerischen) Verrichtung
• Einweg-Handschuhe nach Gebrauch im Kehricht entsorgen
Einweg-Überschürze oder Einweg-Schutzman- tel (langärmlig)Nein, nicht generell Ja,
• bei (potenziellem) Kontakt mit Blut sowie anderen Körperflüssigkeiten (gemäss Standardmassnahmen Hygiene)
• bei möglichen Spritzern (z.B. bei der Hilfe beim Duschen)
• Einweg-Uberschürze/-Schutzmantel nach Gebrauch im Kehricht entsorgen
Händedesinfektion• Beim Betreten und nach dem Verlassen der Wohnung Nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material
• Nach dem Ausziehen der Einweg-Handschuhe und der Überschürze (falls eine benützt wird)
• Vor und nach dem An-sowie Ausziehen der chirurgischen Maske
Dauer: 30 Sekunden
Mund- und Nasen-
schutz
• Nein, nicht generell
• Ja, wenn die Spitex-Mitarbeitende an einer Atemwegsinfektion leidet, zum Schutz der/des HIV-infizierten Kundin/Kunden
• Chirurgische Maske nach Gebrauch vor dem Verlassen der Wohnung im Kehricht entsorgen
Einweg-Handschuhe• Nein, nicht generell
• Ja, gezielte Anwendung wie gewohnt, abhängig von der hauswirtschaftlichen Tätigkeit
• Wechsel nach jedem Kontakt mit potenziell infektiösem Material
• Einweg-Handschuhe nach Gebrauch vor dem Verlassen der Wohnung im Kehricht entsorgen
Einweg-Überschürze oder Einweg-Schutzman- tel (langärmlig)• Nein, nicht generell
• Ja, wie gewohnt
• Gezielte Anwendung bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten zum Schutz der Kleidung
• Wenn eine Kontamination der Berufskleidung durch infektiöses Material möglich ist
• Einweg-Überschürze/-Schutzmantel nach Gebrauch vor dem Verlassen der Wohnung im Kehricht entsorgen
Händedesinfektion• Vor und nach direktem Patientenkontakt
• Vor und nach pflegerischen Verrichtungen
• Nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material • Nach Kontakt mit Oberflächen und medizinischen Geräten in unmittelbarer Patientenumgebung
• Nach dem Ausziehen der Schutzausrüstung (Einweg-Handschuhe etc.)
• Vor und nach dem An- sowie Ausziehen der chirurgischen Maske
•Dauer: 30 Sekunden
Mund- und Nasen-
schutz
• Nein, nicht generell
• Ja, wenn die/der Angehörige an einer Atemwegsinfektion leidet, zum Schutz der/des HIV-infizierten Kundin/Kunden
• Ja, bei möglichen Spritzern von Blut oder anderen Körperflüssigkeiten ins Gesicht
• Chirurgische Maske nach Gebrauch vor dem Verlassen der Wohnung im Kehricht entsorgen
Einweg-HandschuheNein, nicht generell
• Ja, bei (potenziellem) Kontakt mit Blut sowie anderen Körperflüssigkeiten bei chemischen Substanzen, die die Haut schädigen können wenn die pflegerische Handlung es verlangt; Einweg-Handschuhe nach jeder (pflegerischen) Verrichtung wechseln
• Einweg-Handschuhe nach Gebrauch im Kehricht entsorgen
Einweg-Überschürze oder Einweg-Schutzman- tel (langärmlig)• Nein, nicht generell
• Ja, – bei (potenziellem) Kontakt mit Blut sowie anderen Körperflüssigkeiten
• bei möglichen Spritzern (z.B. bei der Hilfe beim Duschen)
Einweg-Überschürze/-Schutzmantel nach Gebrauch im Kehricht entsorgen
Händedesinfektion• Nein, nicht generell
• Ja, vor und nach dem An- sowie Ausziehen der chirurgischen Maske
• Ja, nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material
• Dauer: 30 Sekunden
•Wenn kein Händedesinfektionsmittel vorhanden ist, erfolgt ein gründliches Händewaschen
Mund- und Nasen-
schutz
• Nein, nicht generell
• Ja, wenn die/der Besuchende an einer Atemwegsinfektion leidet, zum Schutz der/ des HIV-infizierten Kundin/Kunden
• Chirurgische Maske nach Gebrauch vor dem Verlassen der Wohnung im Kehricht entsorgen
HändedesinfektionNein
Mund- und Nasenschutz (chirurgische Maske Typ || oder Typ IIR)Nein
Entsorgung• Abfall im Hauskehricht entsorgen
• Schutzmaterial (Einweg-Handschuhe, Überschürze etc.) vor dem Verlassen der Wohnung im Hauskericht entsorgen (Doppelsacksystem)
• Einweg-Instrumente direkt nach Gebrauch in der Sharp-Box entsorgen tung geben
•Falls vorhanden: Mehrweg-Instrumente geschlossen ins Zentrum zurück bringen und ohne weitere Vorbehand- lung in die vorgesehene Rücksendebox zur Aufbereitung geben
Reinigungsmassnahmen•Gezielte Flächendesinfektion (Standardmassnahmen Hygiene)
Wäsche•Keine besonderen Massnahmen.
Ärztin- oder Arztbesuche, auch Zahnärztin oder Zahnarzt
•Informationen über die HIV-Infektion, falls nicht schon bekannt
Zahnärztin- oder ZahnarztbesuchInformationen über die HIV-Infektion, falls nicht schon bekannt
Externe Untersuchungen•Informationen über die HIV-Infektion, falls nicht schon bekannt
Physiotherapie etc
• Keine besonderen Massnahmen resp. Informationen
Eintritt Institution (Spital / Klinik / Alterszen- trum etc.)Informationen über die HIV-Infektion, falls nicht schon bekannt
Dauer Fortwährend
  • Quellen / Dokument-Änderungsmanagement
• Bundesamt für Gesundheit (BAG)
• Robert Koch Institut (RKI)
VersionDatumÄnderung
1.217.10.2022Ergänzung Quellen / Dokument-Änderungsmanagement
1.109.08.2022Erstellung des Dokuments
1.025.09.2021Erstellung des Dokuments
Nach oben scrollen